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Schwachstelle: Forscher warnt vor schwacher SCP-Sicherheit

Berk Kutsal

15.01.19 4 Minuten Lesezeit

Das Secure Copy Protocol (SCP) ist ein Protokol zur verschlüsselten Datenübertragung und soll so mehr für Sicherheit tragen. Nun hat eine neue Studie ergeben, dass eine Schwachstelle in mehreren verschiedenen SCP-Anwendungen gefunden wurden und zeigt, dass SCP möglicherweise nicht so sicher ist, wie man denkt.

München – 15. Januar 2019: Die vom Harry Sintonen, Senior Security Consultant bei F-Secure, durchgeführte Studie identifizierte Schwachstellen in den Anwendungen WinSCP, Putty PSCP und OpenSSH. Harry Sintonen erstellte einen Proof-of-Concept für den Angriff, mit dem er Dateien im SCP-Zielverzeichnis des Clients unbemerkt schreiben/überschreiben, die Berechtigungen des Verzeichnisses ändern und die Ausgabe des Clients manipulieren kann. Ein Angreifer kann die Schwachstellen ausnutzen, um eine Hintertür oder andere Malware in ein Unternehmensnetzwerk zu installieren, vertrauliche Informationen zu stehlen oder praktisch jede andere Aktion nach der Infiltration durch zu führen.

Harry Sintonen, Senior Security Consultant at F-Secure

Die Schwachstelle ist nicht mal die größte Sorge von IT-Administratoren (Man-in-the-Middle-Zugriff muss eingerichtet werden, bevor der Angriff funktioniert). Aber es bedeutet, dass der „sichere“ Teil von SCP etwas weniger zuverlässig sein könnte, als es Unternehmen vielleicht erwarten würden. Dieser Bewusstseinsmangel ist das, was Schwachstellen wie diese für Hacker nützlich macht, so Sintonen.

„Sicher bedeutet nicht unangreifbar. Und SCP ist da keine Ausnahme. Benutzer müssen die Host-Identität bei der ersten Verbindung manuell überprüfen, so dass Raum für Benutzerfehler bleibt. Und Schwachstellen in SCP-Implementierungen machen es einem Angreifer leicht, Dateien im Zielverzeichnis zu überschreiben“, erklärt Harry Sintonen. „Wenn also ein Angreifer zwischen SCP-Client und -Server gelangt – oder den Client dazu bringt, sich über Phishing oder DNS-Spoofing oder ähnliches mit einem bösartigen Server zu verbinden – ist es trivial, dass er bösartige Befehle ausführt, ohne dass der Client es merkt.“

SCP wurde Mitte der 90er Jahre als Methode zur Übertragung von Dateien zwischen Geräten und einem Netzwerk entwickelt. Es fügt SSH zum Remote-Kopierprotokoll hinzu (auch bekannt als RCP, das Protokoll, auf dem SCP basiert). Diese zusätzliche Sicherheitsebene macht SCP zu einer sichereren Alternative zu FTP und RCP.

Obwohl die Einführung von SSH eine Verbesserung darstellt, hat SCP nicht alle Mängel der RCPs behoben. Beispielsweise warnt RCP die Benutzer nicht vor dem Überschreiben von Dateien. SCP hat das gleiche Problem.

Harry Sintonen betont, dass der Aufwand für die erfolgreiche Durchführung des Hacks hoch genug ist, um Angreifer daran zu hindern, diese Schwachstellen konsequenter und großflächiger auszunutzen und ein Welle von Angriffen zu starten. Zielgerichtete Attacken sind dagegen möglich.

„Der Angriff funktioniert nur dann, wenn das Opfer die falschen Fingerabdrücke akzeptiert. Deshalb ist es wichtig zu wissen, dass dies nicht etwas ist, was SCP-Clients automatisch machen“, erklärt Harry Sintonen. „Es ist ein einfaches Unterfangen es als selbstverständlich hinzunehmen, da praktisch niemand manuell danach sucht. Daher wird es Angreifer geben, die diese Art von Taktik effektiv anwenden können.“

Harry Sintonen präsentierte seine Forschungen und demonstrierte seinen Proof-of-Concept (POC) des Angriff auf der diesjährigen Disobey-Konferenz in Helsinki. Hier ist der grundlegende POC, den er dem Publikum gezeigt hat:

Ist Open Source Software sicher genug für Unternehmen?

Harry Sintonen führte die Forschung aus professionellem Interesse heraus durch, wie Angreifer Ziele kompromittieren könnten, die auf populäre, Open-Source-Komponenten angewiesen sind. Freie und Open-Source-Software ist das Rückgrat vieler beliebter Anwendungen. Traditionell verlassen sich Entwickler bei der Validierung von Open-Source-Code aufeinander, was für populären Code effektiv sein kann.

Aber in der Praxis sieht es meist anders aus. Die Offenlegung des Heartbleed-Bugs im Jahr 2014 führte dazu, dass die EU Kommission die Free and Open Source Software Audit (FOSSA) einrichtete. Ziel des Projekts ist es, Open-Source-Software zu dokumentieren und zu sichern, die in Europa weit verbreitet ist. Und in einem kürzlich erfolgten Schritt wurde die FOSSA um Bug-Bounty-Programme für 15 Open-Source-Softwareprojekte erweitert .

Leider beinhalten die Bug-Bounty-Programme nicht SCP und viele andere Software. Aber Harry Sintonen sagt, es gibt keinen Grund zur Panik.

„Sollten sich Unternehmen für Open Source Software entscheiden, sollten sie ihrer Sorgfaltspflicht nachgehen und den Quellcode überprüfen und recherchieren, ob die jeweilige Software eine Historie kritischer Schwachstellen aufweist. Ferner sollten sie interne Prozesse einrichten, um sicherzustellen, dass sie proaktiv bei der Überwachung und dem Umgang mit der Sicherheit der Software heran gehen“, sagt Harry Sintonen. „SCP scheint irgendwie durch das Raster gefallen zu sein, aber das passiert bei Open Source Software manchmal.“

Neben der Sensibilisierung empfiehlt Harry Sintonen, dass Unternehmen, wenn möglich, auf SFTP umsteigen. Patches sind für Unternehmen verfügbar, die mit SCP arbeiten, einschließlich eines von Harry Sintonen entwickelten OpenSSH-Patches.

Weitere Informationen zu den Patches und den Schwachstellen finden Sie in Harry Sintonens Advisory.

Berk Kutsal

15.01.19 4 Minuten Lesezeit

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